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Rendez-vous

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Stromae und sein weibliches Ich Andrea aus „Tous les Mêmes“, meinem Lieblingsmusikvideo

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Alltagsdillemmata

Mit Schnupfen in der Bibliothek

Letztens war ich in der Bibliothek, um meine Hausarbeit zu schreiben. Wehe, man unterhält sich dort. Die anderen haben ein außerordentlich empfindliches Gehör und wenn man, aus welchem Grund auch immer, ausversehen ein Geräusch macht, scheint man einige fleißige StudentInnen bereits von ihrer Arbeit aufgeschreckt zu haben. Böse Blicke werden einem zugeworfen und macht man noch ein Geräusch, dann wird man durch ein zischendes „Schhhhhh“ zurechtgewiesen. Die anderen nicken dann dem Zischer freundlich zu. Er lächelt genugtuend, diese gute Tat vollbracht und die Ruhe widerhergestellt zu haben und alle können sich nun wieder ihrer Arbeit widmen.

Es war leise, wie immer. Ich schlich die Treppe hoch und suchte mir einen Platz. Leider schien sich bei mir eine Erkältung anzubahnen. Mist. Kein Taschentuch dabei. Ich ging zum Klo, um mir mit dem rauen Klopapier meine Nase zu putzen. Dann kehrte ich zu meinen Platz zurück, doch der Rotz war leider wieder da. Egal dachte ich mir, ich lasse mich nicht davon ablenken und zog meine Nase hoch, während ich meine Sachen auspackte. Ich fing an zu lesen und zog abermals meine Nase hoch. Ein zorniger Blick bohrte sich in meine Schultern. Mein Nebenmann konnte sich bei dem Lärm natürlich unmöglich konzentrieren. Bevor er etwas sagen konnte, drehte ich mich zu ihm und fragte freundlich, ob er ein Taschentuch habe. Erschüttert über diese Frage sah er mich mit aufgerissenen Augen und geweiteten Nasenflügeln an und flüsterte mir wütend zu: „Ja, aber Sie können sich ja wohl selbst welche holen!“, steht auf und geht, bevor ich antworten konnte. Könnte ich, hätte ich welche dabei gehabt. Ich fühlte mich wegen meiner Krankheit diskriminiert. Schließlich habe ich mir ja nicht aus Spaß eine Erkältung eingefangen.

Ich wollte wieder schniefen, traute mich aber nicht mehr. Erst als es nicht mehr anders ging, zog ich meine Nase hoch. Ich versuchte meine Texte zu lesen, doch meine Gedanken kreisten sich darum, wie ich meine Schniefer am besten platziere. Ob ich lieber leise und öfter schniefen soll oder in größeren Abständen und dann aber richtig. Oder ein Kompromiss aus beidem. Ich hörte Stapfen. Der Mann schmiss mir unwirsch eine Packung Taschentücher vor die Nase und ging wieder. Ich will sie gar nicht benutzen, sondern sie ihm viel lieber an den Kopf werfen. Stur zog ich wieder meine Nase hoch, aber schielte auf die Taschentücher wie ein Kind auf verbotene Süßigkeiten. Es wäre schon schön, wieder durch die Nase atmen zu können. Am Ende siegte Rotz über Stolz. Ich griff nach den Taschentüchern und putzte mir die Nase. Der böse Mann kam zurück und setzte sich. Ich habe in meinem Dilemma ja nun seine milde Gabe angenommen und stand somit tief in seiner Schuld. „Danke“ sagte ich und lächelte gezwungen. Er lächelte gezwungen zurück.

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Seran

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Der Stör

Es hechtete der Stör zum Hecht
und störte ihn, der Hecht las Brecht:
Der Hecht war sauer und er schrie:
„Man Stör, du störst, du blödes Vieh!
Ich lese hier, du nerviges Tier,
mach nen Abmarsch zum Barsch!“
sprach der Hecht recht harsch.
Doch darauf war er nicht erpicht,
er entwich und dachte sich:
“Das find ich jetzt echt schlecht vom Hecht,
Wie er mich ächtet ist nicht recht!
Ja, er wird nichts mehr von mir hörn,
ich geh jetzt woanders störn!
Ich werde nun von dannen ziehn,
Oh Meer, auf Nimmerwiedersehn!“
Gespannt auf’s unbekannte Land,
landete der Stör am Strand,
wandte sich durchaus galant
und elegant durch den Sand,
bis er eine Stelle fand
und zum entspannten Sonnenbad
sich niederlag, er lag zu lang
und bekam nen Sonnenbrand
“Hmmm, so war das nicht geplant,
Jetzt werd ich geschmort, verdammt!”
Die Sonne brannt’ , briet den im Sand
panierten Stör und vom Gestank
kam jemand,
wutentbrannt,
den Sandstrand entlang angerannt,
packt den Stör mit seiner Hand:
„Ich verlier noch den Verstand,
was stört der Stör denn hier am Land?
Leider ist der Fisch nicht frisch,
sonst käm er heut noch auf den Tisch!”
Sein Sohn rannte hinterher:
“Ich will ein Haustier, sogar sehr!
Können wir den Fisch behalten?”
Papa wurde ungehalten,
er schleuderte den Stör ins Meer,
sprach: “Da stört er keinen mehr!”
Das sagte zwar der Herr Papa,
doch- das ist klar- war nicht ganz wahr,
denn Papa warf ihn zielgenau,
auf des Hechtes Ehefrau.
Diese kreischte und sogleich
kam der Hecht und wurde bleich,
Er rief zum Stör: “Leg deinen Laich,
gefälligst in den eignen Teich!”

von Sherin

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Alabasterfläschchen

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Eine Frau hörte, dass Jesus im Haus des Pharisäers zu Gast war. Sie ging dorthin, kniete sich vor ihm hin, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen. Sie trocknete seine Füße mit den Haaren ihres Hauptes, küsste sie und salbte sie mit kostbarem Salböl.

Der Pharisäer aber murmelte in seinen Bart: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, wüsste er, was das für eine Frau ist, die gerade seine Füße berührt.

Da sagte Jesus zu ihm: Ich möchte dich etwas fragen: Ein Gläubiger hatte 2 Schuldner. Der eine war ihm 500 Denare schuldig, der andere 50. Da sie beide ihre Schulden nicht bezahlen konnten, schenkte er es ihnen. Sage mir, welcher von den Beiden wird ihn nun mehr lieben? Simon aber antwortete: Der, dem er am Meisten geschenkt hat.

Und Jesus sprach: Du hast richtig geurteilt. Und indem er sich zu der Frau wandte, sprach er zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen, doch du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben, sie aber hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und sie mit den Haaren ihres Hauptes getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben, sie aber hat nicht aufgehört, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt, sie aber hat meine Füße mit Salbe gesalbt.

Ihre vielen Sünden sind vergeben worden, darum hat sie viel Liebe erwiesen.

Lukas 7, 36-47

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Alice

Porträt von einer Freundin

Porträt von einer Freundin

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Ein Heimat-Touri

Oh du schöne Schönheit, wer ist dir gleich? Gestern habe ich dieses Lied zum ersten Mal im Original gehört. Zuerst habe ich es nicht erkannt, es hat sich ganz anders angehört, als ich es gewohnt war. Ich habe einen kleinen Moment gebraucht, bis es mir wieder eingefallen ist: Es hat mich an Ägypten erinnert, an meine Oma, die es immer sang, während sie kochte oder andere Dinge im Haus erledigte.

Alexandria ist in meinen Augen die schönste Stadt der Welt. Wenn ich jedoch versuche, mich daran zu erinnern, ist alles nur noch verschwommen vor meinen Augen, denn ich war lange nicht mehr dort. Sie ist eine Perle am Meer, eine Stadt mit Geschichte und vielen wunderschönen alten Gebäuden. Es ist nicht so heiß und stickig wie in Kairo, weil immer ein kühler Wind weht, nicht so voller Touristen, weil keine Billigflüge dort landen und es Gott sei Dank dort keine Pyramiden gibt. Das heißt, es gibt auch keine Straßenhändler, die einem Papyri mit immer denselben Bildern, natürlich handbemalt, andrehen wollen, wegen denen sich die Pharaonen im Grab umdrehen würden. Als ich das letzte Mal dort war, machten mein Cousin Michael, Tante Rosina und ich am Tag meiner Ankunft einen Ausflug. Ich wollte einen Strandspaziergang machen, mir einfach die Stadt ansehen und war gespannt, wo sie mich hinführen würden. Es war eine Shopping-Mall. Es war riesig und eindrucksvoll, der Boden glänzte und alles bestand aus Marmor. Ich war schwer enttäuscht. Das letzte was ich wollte, war es, in überteuerten Botiquen zu shoppen. Aber ich war trotzdem glücklich, dass ich meine Familie kennenlernen konnte. Stolz präsentierten mir die beiden, wie sauber und chic es hier ist. Da war ich nun in dieser schönen Stadt, die ich mir anzusehen wünschte und gleichzeitig von Starbucks, H&M und Mango umgeben . Ich beschloss, nicht so zu tun, als ob es mir gefällt, denn sonst würde das wohlmöglich zu meinem ständigen Abendprogramm gehören. Ich sagte, es sei sehr schön hier, aber das hab ich alles in Deutschland auch. Ich will lieber sehen, wo ihr einkauft, den Suq, ich will mir die Stadt angucken und ein bisschen am Meer lang laufen. Es war ein schöner Abend, aber die Mall hasse ich wie die Pest. Denn ich sollte nicht zum letzten Mal dort gewesen sein. Jeder, meine Nachbarin, meine Familie und die Freunde meines Vaters zeigten mir als erstes immer diese blöde Mall. Und waren völlig verständnislos dafür, dass ich laufen wollte, denn dort läuft niemand freiwillig. Man fährt Taxi.

Tante Rosina war völlig ratlos, als wir einmal miteinander unterwegs waren, diesmal im richtigen Alexandria. Sie gab sich so viel Mühe und ich wollte nichts von dem haben, was sie mir zeigte. Das liegt daran, dass ich nur sagte, ich wolle einkaufen gehen, was eine Lüge war. Ich wollte in Wirklichkeit durch die Stadt spazieren. Ich genoss den Lärm, das bunte Treiben und fand es interessant, was es so für Läden gibt. Es gibt, und diesen Ort mochte ich am allermeisten, eine völlig überfüllte, minikleine Einkaufsstraße. Dort war es so eng, dass nicht einmal 2 Leute nebeneinander passten. Alle drängelten sich irgendwie durch, links und rechts waren Läden mit hübschen Armreifen, chinesischem Krimskrams und Haarspangen, alles war extrem durcheinander. Man kann es kaum beschreiben, man muss es gesehen haben, um es sich vorstellen zu können. Es ist wie ein geheimer Weg, der dorthin führt, eine kleine Gasse, die Menschen verschluckt und von außen kann man nicht sehen, wo dieser Weg hinführt. Man holt einmal tief Luft, bevor man in diese geheimnisvolle Gasse eintritt und dann kann man erstmal für ein paar Minuten nicht mehr atmen, bis man sich entschließt, in einen von diesen Läden zu gehen. Manche Leute sind dabei so verrückt, dass sie sich mit ihren Kindern und Kinderwagen dort hinein wagen. Dabei ist es ein Ort, an dem Kinder sofort verloren gehen, doch das gilt anscheinend nur für deutsche Kinder.

Eine Sache hat mich in Ägypten maßlos geärgert: Ich wurde immer auf Englisch angequatscht. Ich weiß jetzt auch woran die Leute sahen, dass ich ein Touri war. Äußerlich ist alles an mir ägyptisch. Alles außer meinen Klamotten. Keine Ägypterin, die etwas von sich hält, würde eine chillige Leinenhose mit FlipFlops tragen. Mit einer indischen Umhägetasche. Und die wenigsten würde ihre Haare so zeigen, wie ich es tat: wild und lockig. Mein Arabisch machte das auch nicht besser, beherrschte ich den ägyptischen Slang doch nicht. „You talk like a cartoon!“ rief ein Mädchen und lachte mich aus, als ich sie begrüßte. Ich passte dort rein und gleichzeitig auch nicht, fühlte mich zuhause und fremd. Es ist komisch, in Deutschland wollen alle immer wissen, woher ich komme, obwohl ich deutsch spreche und genau weiß, wie ich mich wo zu verhalten habe. Erst in Ägypten habe ich mich zum ersten Mal richtig deutsch gefühlt. Ich wusste, dass ich jemand anderes wäre, wäre ich in Ägypten geboren. Auch wenn jeder Mensch einen eigenen Charakter hat, hat doch auch jedes Land sein eigenes Wesen und bin ich in Deutschland manchmal etwas verpeilt und chaotisch, so bin ich in Ägypten die pedantische Organisatorin, die darauf besteht, das Pläne eingehalten werden.

Der Höhepunkt meines Urlaubs war das Fest zu Ehren von Said Darwish. Gibt es einen deutschen Künstler, der das Volk vereinigt, einen, den alle lieben? In Ägypten gibt es eine Handvoll, allen voran Umm Kathoum und Said Darwish. Alle konnten die Lieder von ihm mitsingen. „Besuch mich einmal im Jahr, und wehe du vergisst mich.“, so sangen wir alle aus voller Kehle, sehnsüchtig nach unserer Liebe. Junge Leute und alte Leute, Christen und Moslems, arm und reich. Es war egal. Musik kann etwas, was politische Debatten und Talkshows niemals zu tun vermögen, so klug und wichtig es auch klingen mag, was die Leute dort zu sagen haben. Musik kann aus allen möglichen verschiedenen Menschen ein Volk machen. Es war ein wichtiger Moment. Jetzt verändert sich Ägypten. Das Volk ist jetzt revolutionär, politisch, es ist verwirrt und gespalten, islamisch, christlich, liberal und konservativ. Man weiß nicht wohin es geht. Vielleicht wurde zu viel geredet. Und zu wenig gesungen.

Meine Oma lebt jetzt in Amerika, bei ihrem Sohn. Und ich weiß, von dort aus wird sie weitersingen: Oh du schöne Schönheit, wer ist dir gleich? Warum ist die Welt so schön, wenn du bei mir bist? Machst mein Herz so froh, lässt mich all die Probleme vergessen. Du schöne Schönheit, wer ist dir gleich?

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Internet kaputt! Gedanken aus der Zukunft

Rückblick: Internetkrise 2014

Ich stehe gleich auf, gleich. Vorher nehme ich mir noch ein paar Minuten Zeit, über den Tag, der jetzt vor mir liegt, nachzudenken. Als Historikerin bin ich allerdings notorisch mit der Vergangenheit beschäftigt und meine Gedanken kreisen um die Internetkrise vom Juli 2014. Ein Großteil unserer Kommunikation lief damals über soziale Netzwerke im Internet. Sie gewannen immer mehr an Bedeutung und beeinflussten unseren Alltag erheblich. Ich unterrichtete zu dieser Zeit an einer Schule und versuchte eine Kunst-AG zu leiten. Am ersten Tag saßen zehn SiebtklässlerInnen phlegmatisch mit ihren Smartphones an den Tischen. Ich musste mir ein Bein ausreißen, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich erinnere mich auch an eine Geburtstagsfeier in einer Bar, bei der ich allein das Geburtstagskind kannte. Links und rechts von mir saßen zwei Mädels, die nur auf ihr Handy starrten und es stellte sich als schwierig bis unmöglich heraus, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Daraufhin stand ich auf und ging zu dem Geburtstagskind, das auch alle drei Minuten sein Handy zückte, weil es einen Glückwunsch erhalten hatte.

Dann ging zum Glück das Internet kaputt, was dem vorläufig ein Ende bereitete. Die exzessive Nutzung des Internets von zu vielen Menschen zur gleichen Zeit führte zu einem Zusammenbruch der virtuellen Infrastruktur. Man konnte nicht einmal mehr eine Email schreiben. Absolut nichts ging mehr. Was an dem Tag auf den Straßen los war! Überall entstanden Massenaufläufe und spontane Demonstrationen. Einige machten Randale, andere hielten fassungslos in ihren zittrigen Händen ihr Smartphone und versuchten immer wieder, ins Internet zu kommen. Auch ich war sauer, weil ich über Facebook meinen eigenen Geburtstag geplant hatte und nun ahnungslos war, wie viele FreundInnen kommen würden. In der U-Bahn konnte ich die Smartphone-User sofort von denen unterscheiden, die keins besitzen. Die Einen waren bereits darin geübt, den Blicken der anderen Fahrgäste auszuweichen. Diejenigen jedoch, die sonst auf ihr Smartphone starrten, waren aufgeschmissen, weil sie nicht wussten, wo sie hinsehen sollten. Ihre Blicke schwirrten nervös umher, bis sie einen Punkt an der Decke fanden, den sie fixierten. Auf der Straße wimmelte es von Menschen, die sehr orientierungslos wirkten. Sie fragten Leute nach dem Weg, die wiederum andere Leute nach dem Weg fragten. Leider konnte keiner mal eben nachschauen. Schnell war die Internetkrise das Hauptthema aller noch verfügbaren Medien. Die verschiedenen Boulevardblätter titulierten: »Polizei ermittelt: Wer hat das Internet ausgeschaltet?«, oder auch: »Oh nein, wir müssen wieder reden«.

Doch schon nach ein paar Tagen hatte man sich daran gewöhnt. Von da an verschwanden Leute aus dem Straßenbild, die gebannt auf ihr Smartphone starrten – sehnsüchtig darauf wartend, dass endlich jemand ihr neues Profilbild likete oder auf einen Post reagierte. Jugendliche zogen um die Häuser wie zu meinen Zeiten und posteten mit Edding an Häuserwände. In den Cafés wurde wieder lebhaft geschwatzt, diskutiert, gelacht und gestritten. In den Parks und an den Seen wimmelte es von Menschen. Studenten, die eine Hausarbeit schreiben mussten, hatten allerdings ein Problem. Bibliotheken waren überfüllt, weil niemand mehr an Informationen aus dem Internet kam. Aber meine DozentInnen hatten Gnade und verzichteten angesichts der Umstände auf die Einhaltung der Fristen.

Das Internet wurde natürlich wieder repariert. Man durfte jedoch von nun an nur noch über PCs und Laptops darauf zugreifen, um einem erneuten Zusammenbruch vorzubeugen. Dieser hatte schließlich einigen Unternehmen erheblichen Schaden zugefügt. Gestört hatte das ansonsten kaum jemanden. Wir haben wieder gelernt, wie man sich richtig unterhält. Die Gespräche wurden viel seltener unterbrochen und ich entdeckte an Menschen, die ich schon Jahre kenne, ganz neue Seiten. Ohne Internet haben wir nichts verpasst. Juli 2014 wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Für mich jedenfalls war es der lebendigste Sommer aller Zeiten.

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Ausgetrocknete Filzstifte sind meistens ärgerlich. Aber nicht immer.

 

 

 

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